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Forschungsresultate und Aktuelles NFP 56 - 2/2009 - www.nfp56.ch
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Blick auf das NFP 56 ...
... vom Europäischen Fremdsprachenzentrum des Europarats (Dr. Susanna Slivensky, Stellvertretende Direktorin)
Ist die europäische Dimension für ein nationales Forschungsprogramm relevant? Oder orientiert sich ein nationales Programm naturgemäß an inländischen Gegebenheiten und nicht oder jedenfalls nicht primär an internationalen Maßstäben und Entwicklungen? Diese Frage mag erlaubt sein, obwohl im Ausführungsplan des NFP 56 ausdrücklich der Bezug zur internationalen Forschung hergestellt wird. Eine kritische Leserin dieser Fragen könnte natürlich umgekehrt in Richtung der europäischen Einrichtung fragen: gibt es denn überhaupt „die europäische Dimension“? Und wenn ja, weshalb sollte sie dazu beitragen können, lokale, regionale und nationale Problemlagen zu erhellen? >>>>>
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Forschungsergebnisse
Wirtschaftlicher Nutzen der Mehrsprachigkeit
Das Forschungsteam von François Grin aus den Universitäten Genf und Montreal bewertete, welchen Gewinn Mehrsprachigkeit den Unternehmen und der Volkswirtschaft bringt. Da solche Schätzungen bisher in keinem Land vorgenommen wurden, stellen sie eine weltweite Neuheit dar. Die Sprachkompetenzen der Bevölkerung steuern demnach ungefähr 10% zum Bruttoinlandprodukt bei. Eine ergänzende Untersuchung bei 200 Unternehmen des Industriesektors gibt Hinweise wie bei der Rekrutierung von Mitarbeitern, Kenntnisse über sprachliche Ressourcen eingesetzt werden können. So sind mehrsprachige Mitarbeitende, die mit Lieferanten aus anderen Sprachregionen verhandeln können, in der Abteilung „Einkauf“ meist nützlicher als beim „Verkauf“. Ebenso sind mehrsprachige Personen, wenn die Stellen reduziert werden, zweimal weniger davon betroffen als einsprachige. Die Bedeutung der Sprachkompetenzen ist in seiner Gesamtheit für den Arbeitsmarkt und die Schweizer Wirtschaft durch die Studie klar bestätigt und nun auch beziffert worden.
>>>>> Schlussbericht auf französisch
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Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung
Deutsch wird in der Bundesverwaltung unverhältnismässig oft genutzt. Zur Erläuterung: Fast immer sind wichtige Gesetzestexte im Original auf Deutsch verfasst, obwohl ungefähr 20% der Mitarbeitenden französischer Muttersprache sind. Auf den ersten Blick sind die Landessprachen wohl ausgewogen vertreten, aber die von Daniel Kübler geleitete Studie zeigt das Ungleichgewicht zulasten der Minderheitssprachen, wenn es um Kaderstellen geht. Die Forschungsresultate zeigen, dass benachteiligende Mechanismen existieren, die sich bei der internen Kommunikation und Gruppenarbeiten naturgemäss selbst verstärken sowie wenn Personal angestellt oder befördert wird. Sofern der Mehrsprachigkeit auf Bundesebene keine grössere Aufmerksamkeit zukommt, tendiert eine Gruppe, die mehrheitlich Deutsch spricht oder einen Deutschschweizer zum Chef hat, nämlich dazu, einen neuen Kollegen zu wählen, der die eigene Sprache spricht. Um die sprachliche Praxis in der Bundesverwaltung zu verbessern, empfiehlt die Forschungsgruppe in Sprachausbildung zu investieren sowie Massnahmen für eine Sensibilisierung für Minderheitensprachen zu ergreifen und speziell beim Selektionsverfahren von Personal den diskriminierenden Mechanismus nicht zu übersehen.
>>>>> Schlussbericht auf französisch
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Mehrsprachigkeit nutzt der Kommunikation
Sei es in einem Fussballteam, einer militärischen Truppe oder einem Bundesamt, die sprachlich gemischten Gruppen können sehr wohl ein gemeinsames Ziel erreichen oder ein Projekt erfolgreich durchführen. Die soziologische Studie von Sandro Cattacin und seinem Team der Universität Genf zeigt, dass die Wahl der Sprache zur Klärung einer Situation beitragen kann. Je nachdem welche Sprache gewählt wird, verdeutlicht z.B. wer in der Gruppe gemeint ist, oder auch – auf subtile Weise – Machtverhältnisse oder Hierarchien. Die Art, wie die verschiedenen Sprachen verwendet werden, hat mehrere Funktionen, die zur Verständigung und Koordination zwischen den Gesprächsteilnehmenden beitragen. Mehrsprachigkeit lebt und entwickelt sich beim Austausch in solchen Konstellationen. Um sie zu fördern, sollen deshalb „hors-sol“ Sprachkurse eher in eine Situation umgewandelt werden, die den Spracherwerb durch Koordination und Kommunikation um ein gemeinsames Projekt antreibt.
>>>>> Schlussbericht auf französisch
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Funktioniert Mehrsprachigkeit beim Militär?
Die Sprachminderheiten sind in der Schweizer Armee unter Miliz- und Berufsoffizieren schon länger proportional untervertreten. Gleichzeitig nimmt die sprachliche Mischung durch die kleineren Truppengrössen, ihrer – wegen der Einsatzdoktrin - höheren Mobilität und durch zunehmende Spezialisierung stetig zu. Trotzdem verfügt das Militär kaum über Regeln und Massnahmen zum Umgang mit Mehrsprachigkeit. Stärker noch als die Bundesverwaltung bleibt die Armee eine deutschsprachig dominierte Institution. Im Gegensatz zu den belgischen und kanadischen Streitkräften verpflichtet sie z.B. die Offiziere nicht, eine zweite Landessprache zu kennen. Das Bild der Armee als Bindeglied zwischen den Sprachgruppen trifft nur eingeschränkt zu, wie ein Forschungsteam um Georg Kreis (Universität Basel) anhand der Untersuchung einer mehrsprachigen Brigade aufzeigt. Es fehlt der Schweizer Armee eine explizite Sprachenpolitik. Denkbar wären u.a. Massnahmen, um den Kadernachwuchs in allen Landessprachen zu sichern, oder die gezielte Förderung der Sprachkompetenzen von Offizieren aller Stufen. Notwendig ist aber in erster Linie eine bewusste und kontinuierliche Reflexion über die Herausforderungen der Mehrsprachigkeit.
>>>>> Schlussbericht
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Aktuelles
Europäisches Forum für Mehrsprachigkeit in Berlin
Vom 18. – 19. Juni 2009 findet im Schloss Genshagen (Berlin) die 2. Europäische Tagung über Mehrsprachigkeit zu den folgenden Hauptthemen statt:
• Elemente eines europäischen Bürgerbewustseins : Sprache, Freizügigkeit und Kultur
• Öffentliche Erziehung : Sprachenpolitik vom frühen Kindesalter bis zur Hochschule
• Unternehmen : Die Sprachen in der Unternehmensstrategie und die Arbeitsbeziehungen.
>>>>> Informationen
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Bulletin VALS-ASLA
Die Vereinigung für Angewandte Linguistik in der Schweiz (VALS-ASLA), national und international verankertes Forum für Austausch, Information und Förderung der Sprachwissenschaften widmet ihr nächstes Bulletin den Projekten des NFP 56. (www.vals-asla.ch)
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Babylonia
Die Ergebnisse der Projekte des Nationalen Forschungsprogramms 56 sind auch für Babylonia, die schweizerische Zeitschrift für Sprachunterricht und Sprachenlernen, ein wichtiges Ereignis. Die Nummer 2/09 präsentiert Einsichten und praxisrelevante Umsetzungsmöglichkeiten aus den schulbezogenen Projekten. Dazu diskutieren Sprachendidaktiker und -didaktikerinnen, welche Konsequenzen die Resultate für die Verbesserung, Vorverlegung und Intensivierung des Sprachenlernens haben könnten. Die Zeitschrift, die im Juni erscheint, kann über www.babylonia.ch bezogen werden.
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