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Zur Rolle der Herkunftssprache für die Identität von Migranten

Hintergrund Zugewanderte der ersten Generation suchen grösstenteils Kontakt zu Sprachgruppen ihres Herkunftslandes. Für die zweite und dritte Generation verliert die Herkunftssprache hingegen zunehmend ihre essentielle Bedeutung. Allerdings spielt beim Erwerb und bei der Anwendung der Sprachkompetenzen das familiäre Umfeld eine Rolle. Die Anwesenheit der Grosseltern, welche die Enkel betreuen, beeinflusst sowohl die Weitergabe als auch die Aufnahmebereitschaft der Herkunftssprache bei den Jugendlichen. Vor allem die Schule fördert die Herkunftssprache durch die impliziten und expliziten Aussagen der Lehrer über die Zweisprachigkeit, das gleiche gilt jedoch auch für die Freunde und den Umgang mit den Medien.

Ziel Dieses Projekt befasst sich mit der Frage, wie in der Schweiz die Herkunftssprache von Migranten und Migrantinnen über drei Generationen hinweg weitergegeben wird und zwar sowohl was die Sprachkompetenz als auch die Identität anbelangt. Es werden die Strategien der sprachlichen, kulturellen und identitären Weitergabe, welche die erste Generation der Migranten und Migrantinnen und deren Kinder (zweite Generation) gegenüber den Kindern der dritten Generation anwenden, sowie der Sprachgebrauch der Jungen, die zu dieser dritten Generation gehören, untersucht.

Bedeutung Angesichts der Tatsache, dass die Sprache ein wichtiger Identitätsfaktor ist, beschäftigt sich die Studie mit der Auswirkung des Sprachgebrauchs auf das psychosoziale Gleichgewicht und die Selbstachtung der Jugendlichen sowie auf die familiäre Kohäsion. Die Behandlung von sprachbezogenen Themen über drei Generationen hinweg kann der Debatte um die Integrationspolitik neue Ansätze liefern.

Resultate Für die Weitergabe der Herkunftssprache einer Generation an die andere ist laut der Studie von Rosita Fibbi (Universität Neuenburg) und Marinette Matthey (Université Stendhal Grenoble 3) wohl die Familie entscheidend, doch sind das Umfeld und die Politik ebenso wichtig. Eine Politik, die Mehrsprachigkeit fördern will, basiert auf drei Faktoren: Die Enkelkinder von Migrantinnen und Migranten haben eine positive Einstellung zur Mehrsprachigkeit. So entsteht längerfristig ein gutes Klima für eine Zusammenarbeit zwischen zugewanderten Familien und der Schule. Die These, wonach die Pflege der Herkunftssprache den sozialen Aufstieg bremse, soll aufgegeben werden, damit die Loyalität zur Familie und die Sprachenwahl nicht zum Dilemma wird. Sprachkurse, die von der Primarschule bis über die obligatorische Schulzeit hinaus angeboten werden, ermöglichen es, die Herkunftssprache zu stärken und sich dabei wieder einen Raum für diese Sprache und Identität anzueignen. Der Kanton Basel-Stadt hat seine Politik in diesem Sinne ausgerichtet und zeigt damit einen Weg, den auch andere Städte beschreiten könnten.

Dr. Rosita Fibbi
Forum für Migrations- und Populationsstudien, Universität Neuenburg
+41 32 718 39 23
rosita.fibbi@unine.ch

Prof. Dr. Marinette Matthey
UFR Sciences du langage
Université Stendhal Grenoble 3
marinette.matthey@u-grenoble3.fr

Dokumente:

  Schlussbericht (auf französisch) (430KB) 23.10.2009    öffnen >
  Poster (auf französisch) (157KB) 23.10.2009    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (158KB) 03.11.2010    öffnen >

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