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Wie kann die Sprachkompetenz von Migrantenkindern vor Schuleintritt gefördert werden?

Hintergrund Migrantenkinder scheitern im Schweizer Bildungssystem überdurchschnittlich häufig auf Grund von Schwierigkeiten beim bilingualen Spracherwerb und der ungünstigen ökonomischen, sozialen und kulturellen Ressourcen ihrer Familie. So hat beispielsweise die PISA-Studie gezeigt, dass Migrantenkinder am Ende der obligatorischen Schulbildung in kaum einem anderen Land so schlecht lesen können wie in der Schweiz. Die Ursachen für die ungenügenden Sprachkompetenzen von Migrantenkindern vermutet die Bildungspolitik vor allem im Vorschulbereich.

Ziel Mit einer Intervention im ersten Jahr des Kindergartens beziehungsweise der Vorschule soll geprüft werden, wie sich die Vorschulzeit für die Sprachförderung von Migrantenkindern besser nutzen lässt. Die Intervention umfasst folgende Massnahmen: (1) Förderung der Erstsprache mit Kursen in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK), (2) Sensibilisierung der Eltern für die Sprachförderung innerhalb der Familie und (3) Koordination der Sprachförderung zwischen HSK-Kursen, Schule und Familie. Mit einer Sprachstandserhebung wird die Sprachentwicklung von rund 150 Migrantenkindern der Stadt Zürich in der Erstsprache und in Deutsch während der Vorschulzeit beschrieben. Der Erfolg der Intervention wird anhand eines Vergleichs der Sprachentwicklung von Migrantenkindern mit und ohne besondere Sprachförderung in der Vorschulzeit überprüft.

Bedeutung Das Projekt liefert Ansätze dafür, wie die Vorschulzeit für die Sprachförderung bilingual aufwachsender Migrantenkinder genutzt werden kann. Eine solide Bildung ist die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes und das Bestehen im Wettbewerb auf innovativen Märkten. Für die Zukunft eines zunehmend multikulturellen Landes wie der Schweiz ist es wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien ihr Leistungspotential ausschöpfen

Resultate Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass das Beherrschen der Erstsprache für den erfolgreichen Erwerb der Zweitsprache eine notwendige Bedingung ist. Im Projekt von Urs Moser mit Forschern aus den Universitäten Zürich und Bern, erhielten Migrantenkinder zwei Lektionen pro Woche in ihrer Erstsprache. Dabei wurde der Sprachunterricht in der Erst- und der Zweitsprache inhaltlich und didaktisch aufeinander abgestimmt. Zudem wurden die Eltern gezielt in die Sprachförderung ihrer Kinder einbezogen. Die Sprachkompetenzen wurden innert der beiden Kindergartenjahre vier Mal erhoben und mit einer Kontrollgruppe verglichen. Die Intervention führte rundum zu positiven Effekten, aber das primäre Ziel einer wirksameren Förderung der Zweitsprache Deutsch konnte nicht erreicht werden. Wie diese Massnahmen ausgestaltet werden müssen, damit Migrantenkinder nach dem Kindergarten für die Schule bereit sind, ist im Detail noch unbekannt. Das Forschungsprojekt liefert Antwortelemente, die im gesamtgesellschaftlichen Interesse möglichst breit diskutiert und frei von Ideologien angegangen werden sollten.

PD Dr. Urs Moser
Institut für Bildungsevaluation
Assoziertes Institut der Universität Zürich
+41 43 268 39 61
Urs.Moser@ibe.uzh.ch

Prof. Dr. Iwar Werlen
Institut für Sprachwissenschaft
Universität Bern
+41 31 631 80 05
iwar.werlen@isw.unibe.ch

Dokumente:

  Schlussbericht (303KB) 05.02.2009    öffnen >
  Poster (74KB) 30.06.2009    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (165KB) 03.11.2010    öffnen >

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