Suche:






Resultate

Ist zweisprachiger Unterricht in der Sekundarstufe II von Vorteil?

Hintergrund Der Bund anerkennt die von einem Kanton erteilte zweisprachige Maturität, sofern mindestens zwei Maturitätsfächer in der Immersionssprache unterrichtet werden und die Gesamtstundenzahl 600 Stunden beträgt. Heute wird die Maturität mit der «mention bilingue» in über 60 Gymnasien in 17 Kantonen praktiziert. In der Deutschschweiz ist dabei Englisch die am häufigsten verwendete Immersionssprache, in der Westschweiz die Landessprache Deutsch. Eine wissenschaftlich orientierte Reflexion und eine empirische Forschung zum bilingualen Lehren und Lernen auf der Sekundarstufe II – der Mittel- bzw. Fachmittelschule – gibt es in der Schweiz allerdings noch bis heute kaum.

Ziel Das Projekt soll die Hypothese überprüfen, nach der vom immersiven Unterricht in erster Linie die rezeptiven Fertigkeiten wie Hör- und Leseverständnis profitieren. Die Risiken einer Fremdsprache als Arbeitssprache werden getestet: Gibt es Defizite im muttersprachlichen Fachwortschatz oder einen Kenntnisrückstand im Sachfach? Aus dem Projekt sollen Empfehlungen für die Unterrichtspraxis und für die Bewilligungspraxis herauswachsen. Die Untersuchungen werden Rahmenbedingungen und didaktische Vorgehensweisen im bilingualen Unterricht ebenso definieren wie das Profil der «idealen» Lehrperson.

Bedeutung Das Label «zweisprachige Maturität» ist heute zu einem Marketing-Argument bei der Positionierung von Gymnasien geworden. Die öffentliche Hand investiert beträchtliche finanzielle Mittel in diese pädagogische Innovation. Vor einer definitiven Verankerung der gegenwärtig laufenden Versuche muss sicher sein, dass der immersive Unterricht einen Vorteil darstellt. Dazu wird das Projekt die Chancen und Risiken des bilingualen Lehrens und Lernens gegeneinander abwägen und Möglichkeiten zur Optimierung der gegenwärtigen Praxis aufzeigen. Die gewonnenen Einsichten sollen in ein Vademecum des bilingualen Sachfachunterrichts (Empfehlungen, Unterrichtssequenzen, Videoaufnahmen usw.) münden, welches insbesondere in der Lehrerfortbildung eingesetzt werden kann.

Resultate Von Begeisterung über Indifferenz und Skepsis bis hin zu Ablehnung reichten die Emotionen vor einem Jahrzehnt bei der Einführung des zweisprachigen Unterrichts an Schweizer Gymnasien. Das Forschungsteam von Anton Näf (Universität Neuchâtel) hat über drei Jahre hinweg mit Hilfe von Sprachkompetenztests, Unterrichtsbeobachtung sowie Interviews mit Lehrkräften Praxis und Resultate dieser neuen Unterrichtsform wissenschaftlich erfasst. Die bilingualen Klassen verfügen am Ende der Ausbildung über eine signifikant höhere Sprachkompetenz, insbesondere beim Hör- und Leseverstehen. Allerdings waren deren Kenntnisse bereits zu Beginn des Gymnasiums jenen der regulären Parallelklassen überlegen. Die Lehrpersonen beurteilen den Immersionsunterricht insgesamt als positiv. Die Diskrepanz zwischen dem Fachwissen der Schüler und ihren beschränkten sprachlichen Möglichkeiten bedingt eine besondere didaktische Aufarbeitung des Stoffs, welche die Chance bietet, das Erlernte nachhaltiger zu verankern. Aufgrund der vielschichtigen Erhebung werden Empfehlungen insbesondere zuhanden der Lehrkräfte und der Bildungsverantwortlichen formuliert.

Prof. Dr. Anton Näf
Institut de langue et littérature allemandes
Université de Neuchâtel
+41 32 718 18 48
anton.naf@unine.ch

Dokumente:

  Die zweisprachige Maturität in der Schweiz, Daniel Elmiger und Anton Näf, Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) (1643KB) 19.03.2008    öffnen >
  Schlussbericht (434KB) 26.02.2009    öffnen >
  Poster (191KB) 29.06.2009    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (171KB) 03.11.2010    öffnen >

Zurück