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Welche Positionen nehmen Parteien in sprachenpolitischen Debatten in der Schweiz ein?

Hintergrund Mehrsprachige Gesellschaften in westlichen Demokratien standen in den letzten vierzig Jahren vor einer doppelten Herausforderung. Zum einen geriet Sprache zunehmend zum Erkennungsmerkmal kultureller Zugehörigkeit in Debatten über kollektive Identität. Zum anderen wurden westliche Länder infolge der zunehmenden Migration mit immer grösserer sprachlicher Vielfalt konfrontiert. Es stellt sich die Frage, mit welcher Sprachenpolitik den neuen Migrationsminderheiten begegnet wird und ob sich diese von der traditionellen Sprachenpolitik unterscheidet.

Ziel Das Projekt untersucht die Positionen politischer Parteien in der Schweiz zur Sprachenpolitik gegenüber nationalen Sprachgruppen und Migrationsminderheiten seit den 1960er Jahren und damit die Rolle der Parteien in Identifikationsprozessen kollektiver Gruppen. Es soll gezeigt werden, wo sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Positionen gegenüber den beiden Gruppen festmachen lassen. Dabei wird davon ausgegangen, dass Sprache von den Parteien als wichtiges Element kollektiver Identität präsentiert und instrumentalisiert wird, wobei diese Identität je nachdem, an welchen Sprachgruppen sie sich orientiert, unterschiedlich konzipiert werden kann.

Bedeutung Angesichts der sich verändernden Sprachenpolitik gegenüber nationalen und Migrationsminderheiten hat das Projekt eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz. Die zunehmenden Divergenzen zwischen den traditionellen Sprachgruppen wie auch die steigende Zahl von Migranten mit anderen Erstsprachen stellen Herausforderungen für die Schweiz dar. Die Analyse soll dazu beitragen, die Rolle der politischen Parteien in der Sprachenpolitik und in der Konstruktion kollektiver Identität zu erfassen. Die Forschungsergebnisse werden Anregungen liefern sowohl für ein Konfliktmanagement bei sprachenpolitischen Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Sprachgruppen als auch in Fragen der Integrationspolitik.

Resultate Das Forschungsteam Damir Skenderovic und Christina Späti (Universität Freiburg) erläutert anhand von sechs Thesen den Wandel der Sprachenpolitik seit den 1960er Jahren. Als Grundlage dienen ihnen die Protokolle parlamentarischer Debatten und die darin formulierten Positionen der politischen Parteien. In der untersuchten Zeitspanne von 1960 bis 2008 gewinnt das Thema Sprache in der Politik zunehmend an Bedeutung, wobei in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eine wichtige Zäsur stattfindet. Diese zeigt sich einerseits in der offiziellen Sprachenpolitik, in der zusätzlich zu den vier Landessprachen Englisch an Gewicht gewinnt. Andererseits kommt der Bereich der Migrationspolitik hinzu, in dem nun die Vorstellung von Sprache als zentralem Integrationskriterium breite Akzeptanz findet. Bei allen Parteien lassen sich zwei Bedeutungszuweisungen von Sprache erkennen: Sprache als Mittel zur Kommunikation oder als wichtiges Identitätsmerkmal von Personen oder Gruppen. Hingegen unterscheiden sich die Konsequenzen, welche die jeweiligen Parteien daraus ziehen, etwa in der Frage des Englischen im Schulunterricht oder der Freiwilligkeit von Sprachkursen für Migrantinnen und Migranten.

Prof. Dr. Damir Skenderovic
Seminar für Zeitgeschichte, Universität Fribourg
+41 26 300 79 39
damir.skenderovic@unifr.ch

Dr. Christina Späti
Seminar für Zeitgeschichte, Universität Fribourg
+41 26 300 79 35
christina.spaeti@unifr.ch

Dokumente:

  Wissenschaftliche Zusammenfassung (130KB) 10.01.2008    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (161KB) 03.11.2010    öffnen >
  Schlussbericht (226KB) 23.10.2009    öffnen >

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