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Medien und sprachregionale Unterschiede bei Abstimmungen

Hintergrund Volksabstimmungen in der Schweiz unterscheiden sich in ihren Resultaten bei bestimmten Vorlagen auffallend nach Sprachregion. Ein besonders krasser Unterschied zeigte sich bei der Abstimmung über den Europäischen Wirtschaftsraum im Jahre 1992. Die Medien vermitteln im Vorfeld und nach den Abstimmungen – je nach Sprachregion – eine unterschiedliche Vorstellung des politischen Kollektivs.

Ziel Gegenstand der empirischen Studie ist die Berichterstattung der Medien. Das Ziel besteht darin, die sprachkulturellen Unterschiede in diesen Diskursen zu beobachten und zu verstehen, welche Prozesse am Werke sind, wenn Journalisten vor und nach den Abstimmungen berichten. Das Projekt tut dies über einen Zeitraum von rund 20 Jahren am Beispiel der Abstimmung zur erleichterten Einbürgerung und derjenigen zur Einführung der Mutterschaftsversicherung. Die Resultate der Medienanalyse werden Journalisten aller drei Sprachregionen unterbreitet. Entsprechende Intensivinterviews sollen Aufschlüsse darüber geben, wie die Journalisten die Prozesse interpretieren, zu denen sie unbewusst beitragen.

Bedeutung Auf empirischer Ebene ermöglicht diese Studie ein tieferes Verständnis sprachregionaler Unterschiede politischer Identitätsbildung sowie der allfälligen Rolle der Medien in diesem Prozess – Einsichten, die für die soziale Kohäsion der mehrsprachigen Schweiz von Bedeutung sind. In theoretischer Perspektive gibt die Studie neue Hinweise auf die Beziehung zwischen Sprache und sozialer sowie politischer Kollektivität und Identität.

Resultate Sprachregionale Unterschiede im Stimmverhalten bei eidgenössischen Volksabstimmungen haben seit den 70-er-Jahren zugenommen. Welche Rolle spielen die Medien, wenn die Unterschiede der Abstimmungsresultate zwischen den Sprachregionen besonders auffallend sind? Die Studie des Forschungsteams aus den Universitäten Lugano und Freiburg, analysierten unter der Leitung von Ruth Hungerbühler die Berichterstattung zu den Vorlagen der "erleichterten Einbürgerung von Ausländern" und zur "Einführung der Mutterschaftsversicherung" in Presse und Fernsehen im Verlauf der letzten 25 Jahre. Die Untersuchung weist auf, dass die Medien der deutschen, französischen und italienischen Schweiz die beiden Vorlagen ihrem Publikum unterschiedlich präsentierten. Wie die wiederholt zur Abstimmung vorgelegten Gesetzesprojekte thematisiert und mit welchen Bedeutungen sie von den Medien versehen wurden, entsprach der jeweiligen politischen Kultur des Landesteils. Die zu den Resultaten der Inhaltsanalyse befragten Journalisten sind sich dieser Unterschiede bewusst und erachten es als ihre Aufgabe, den spezifischen Befindlichkeiten ihrer Sprachregionen Ausdruck zu geben. Sie plädierten aber für mehr Austausch zwischen den Kolleginnen und Kollegen der anderen Landesteile.

Dr. Ruth Hungerbühler
Istituto Media e Giornalismo (IMeG), Università della Svizzera Italiana, Facoltà di Scienze della Comunicazione, Lugano
+41 58 666 47 29
Ruth.Hungerbuhler@lu.unisi.ch

Dokumente:

  Schlussbericht (549KB) 26.02.2009    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (157KB) 03.11.2010    öffnen >

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