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Der Einfluss von Englisch auf das Französisch lernen

Hintergrund Der Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe befindet sich in einer Phase der grundlegenden Reform. Die Zentralschweizer Kantone UR, SZ, OW, NW, ZG und LU haben sich für Englisch von der 3. Primarklasse an entschieden. Die Mehrheit der Bildungsdirektionen befürwortet Französisch als zweite Fremdsprache ab der 5. Klasse, wobei der definitive politische Entscheid noch nicht in allen Kantonen gefallen ist (zurzeit Oktober 2006). Dieses Modell wird mancherorts bereits seit dem Schuljahr 2005/06 praktiziert. Zur Erforschung der Wirksamkeit des Englischunterrichts sind dadurch die Bedingungen für ein quasi-experimentelles Design mit einer randomisierten Untersuchungs- und Kontrollgruppe gegeben (Kantone OW, ZG und SZ als Untersuchungsgruppe mit Englisch; Luzern als Kontrollgruppe ohne Englisch, da die Einführung erst ab 2007/08 geplant ist).

Ziel Es wird untersucht, welche Englischkompetenzen (Hören, Lesen und mündliche Interaktion, 3.-5. Klasse) tatsächlich erworben werden und welchen Einfluss der Englischunterricht auf das Französischlernen (5. Klasse) hat. Im Rahmen dieser Längsschnittstudie wird der Lernfortschritt beschrieben, und es werden unterrichtsbezogene sowie schülerbezogene Faktoren identifiziert, welche sich förderlich auf die Englischkompetenz der Primarschüler/innen auswirken. Des Weiteren wird analysiert, ob spezifische Verlaufsmuster, vor allem Synergieeffekte unter den Fremdsprachen oder Überforderungsprobleme bei den Kindern, auftreten.

Bedeutung Bisherige Erkenntnisse stützen die Annahme, wonach der Englischerwerb das Erlernen von Französisch erleichtern würde. Die erarbeiteten wissenschaftlichen Grundlagen sollen in die Diskussion um künftige Schulentwicklung und die anstehenden sprach- und bildungspolitischen Entscheide auf regionaler und nationaler Ebene einfliessen.

Resultate Primarschulkinder werden mit zwei Fremdsprachen nicht überfordert. Sie profitieren im Gegenteil beim Erlernen der zweiten Fremdsprache von der ersten: Wer zuvor Englisch gelernt hat, lernt besser Französisch. Auch mehrsprachig aufwachsende Kinder sind beim Französischlernen im Vorteil. Das Forschungsteam empfiehlt, die sprachlichen Vorkenntnisse der Kinder beim Lernen weiterer Sprachen in der Schule stärker zu berücksichtigen und Synergien zwischen den verschiedenen Sprachfächern besser zu nutzen. Zudem sollte der in einer Schulklasse vorhandenen Leistungsvielfalt, die bereits vor der Schulreform bestand, mehr Beachtung geschenkt werden, um Über- und Unterforderungen entgegenzuwirken. Hilfreich sind dazu Unterrichtsmethoden der Individualisierung und Differenzierung. Eine Zusatzstudie untersucht gegenwärtig, ob die Bildungsziele in den Fremdsprachen am Ende der Primarschulzeit erreicht werden und ob das Lernen von zwei Fremdsprachen einen Einfluss auf die Deutschkompetenz der Kinder hat.

Prof. Dr. Andrea U. Haenni Hoti
Institut für Lehren und Lernen (ILeL)
Hochschule Luzern
+41 41 228 71 53
andrea.haenni@phz.ch

Prof. Dr. Erika Werlen
Departement Angewandte Linguistik und Kulturwissenschaften
Zürcher Hochschule Winterthur
+41 52 267 70 40
erika.werlen@zhaw.ch

Dokumente:

  Schlussbericht (762KB) 06.04.2009    öffnen >
  Poster (84KB) 29.06.2009    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (190KB) 03.11.2010    öffnen >

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