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Wie wirkt sich Mehrsprachigkeit einer Firma auf den Alltag aus? Hat die Firmensprache Einfluss auf die Karriere?

Hintergrund In vielen internationalen Firmen ist Englisch die Lingua franca. Vor allem im Top Management, in Unternehmungsberatungen und in Akademikerkreisen wird Englisch gesprochen. Dahinter steht die Absicht, durch die Nutzung einer gemeinsamen Sprache die internationale Kommunikation zu standardisieren. Es kann gleichzeitig als ein politischer Akt betrachtet werden. Welche Personen werden durch die Wahl der Firmensprache ausgeschlossen beziehungsweise bevorzugt?

Ziel Anhand der Studie soll aufgezeigt werden, welche Sprachstrategien mehrsprachige, in der Schweiz ansässige Firmen in ihren nationalen und internationalen Niederlassungen anwenden und ob sie Englisch als offizielle Sprache im Beruf und innerhalb der Firma gebrauchen. Ausserdem sollen die Auswirkungen der verschiedenen Sprachstrategien auf die berufliche Identität ihrer Angestellten, Karrieremöglichkeiten, berufliche Effektivität und persönliches Selbstwertgefühl untersucht werden.

Bedeutung Mit dieser Studie sollen einige mehrsprachige, in der Schweiz ansässige Firmen im Hinblick auf ihre Sprachpolitik typologisiert werden. Anhand dieser Charakterisierung werden die Auswirkungen der Firmensprache auf die berufliche Identität der Angestellten erarbeitet. Damit soll den politisch Verantwortlichen verdeutlicht werden, wie sich die Internationalisierung der Welt neben Familie, Erziehung und Medien zunehmend auch auf das Berufsleben der Menschen auswirkt. Gleichzeitig geht es darum, das Bewusstsein zu stärken, dass die aktive Entwicklung von Sprachpolitik in Firmen von grosser Bedeutung ist.

Resultate Wie verschiedene Sprachen in einem Unternehmen verwendet werden hängt selten mit formalen Vorgaben zusammen. Die Forschenden zeigen z.B. auf, wie die vorherrschenden Verhaltensregeln Einfluss auf die Machtpositionierung der Mitarbeitenden haben können. In zwölf Unternehmen haben Chris Steyaert und sein Team von der Universität St. Gallen die gelebten Alltagsregeln im Umgang mit verschiedenen Sprachen untersucht und in drei ausgewählten Fällen vertieft analysiert. An Stelle offizieller Regelwerke konnten eine Fülle von informellen Aspekten identifiziert werden. Diese bieten neue Möglichkeiten, den Sprachengebrauch zwischen lokaler Sprache, Nationalsprachen und internationaleren Sprachen zu systematisieren. Diese Erkenntnisse können massgeblich dazu beitragen, dass Überlegungen zum Umgang mit Vielfalt, sowie mit Ein- und Ausschluss in den unternehmerischen Alltag einfliessen und so möglichst viele Personen an Kommunikations- und Entscheidungsprozessen teilhaben.

Prof. Dr. Chris Steyaert
Lehrstuhl für Organisationspsychologie, Universität St. Gallen
+41 71 224 70 44
chris.steyaert@unisg.ch

Dokumente:

  Schlussbericht (433KB) 28.11.2008    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (173KB) 03.11.2010    öffnen >

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