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Wie wird Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung gelebt?

Hintergrund Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung basiert auf einem breiten Konsens und trägt zum nationalen Sprachfrieden der Schweiz bei. Die praktische Umsetzung der Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung trat gegen Ende der 90er Jahre in Kraft, wurde aber noch nicht wissenschaftlich untersucht. Die politologischen Untersuchungen galten bisher der linguistischen Vertretung der drei, resp. vier Sprachgruppen im Verhältnis zu ihrem jeweiligen demographischen Gewicht, ihrer nationalen Bedeutung für den multikulturellen Staat sowie den Beziehungen zwischen den Sprachgruppen.

Ziel Im Rahmen dieses Projekts sollen sowohl die sprachliche Vertretung der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung erhoben als auch die Beziehungen zwischen den Bundesangestellten unterschiedlicher Sprachgruppen in der Praxis untersucht werden. Das Projekt schliesst die sprachpolitische Wahrnehmung aus der Sicht der Kantone in allen drei Sprachregionen mit ein; zusätzlich wird ein Vergleich mit der mehrsprachigen kanadischen Verwaltung vorgenommen.

Bedeutung Die Studie soll systematische Kenntnisse zur Umsetzung der Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung beschaffen. Bei den quantitativen Kriterien werden die Chancengleichheit der sprachlichen Minderheiten berücksichtigt sowie die kulturellen Faktoren, welche die Mitarbeitenden je nach Sprachzugehörigkeit einbringen. Die qualitativen Erhebungen ergänzen die quantitativen Daten des Eidgenössischen Personalamtes in diesem Bereich und sollen mit dem gewonnenen Wissen um die Praxis in den Kantonen sowie mit einem Vergleich aus der kanadischen Verwaltung einen Beitrag zur Reflexion über die Mehrsprachigkeit in Verwaltungen leisten.

Resultate Deutsch wird in der Bundesverwaltung unverhältnismässig oft genutzt. Zur Erläuterung: Fast immer sind wichtige Gesetzestexte im Original auf Deutsch verfasst, obwohl ungefähr 20% der Mitarbeitenden französischer Muttersprache sind. Auf den ersten Blick sind die Landessprachen wohl ausgewogen vertreten, aber die von Daniel Kübler geleitete Studie zeigt das Ungleichgewicht zulasten der Minderheitssprachen, wenn es um Kaderstellen geht. Die Forschungsresultate zeigen, dass benachteiligende Mechanismen existieren, die sich bei der internen Kommunikation und Gruppenarbeiten naturgemäss selbst verstärken sowie wenn Personal angestellt oder befördert wird. Sofern der Mehrsprachigkeit auf Bundesebene keine grössere Aufmerksamkeit zukommt, tendiert eine Gruppe, die mehrheitlich Deutsch spricht oder einen Deutschschweizer zum Chef hat, nämlich dazu, einen neuen Kollegen zu wählen, der die eigene Sprache spricht. Um die sprachliche Praxis in der Bundesverwaltung zu verbessern, empfiehlt die Forschungsgruppe in Sprachausbildung zu investieren sowie Massnahmen für eine Sensibilisierung für Minderheitensprachen zu ergreifen und speziell beim Selektionsverfahren von Personal den diskriminierenden Mechanismus nicht zu übersehen.

Prof. Dr. Daniel Kübler
Institut Sozialplanung und Stadtentwicklung, Fachhochschule Nordwestschweiz
+41 61 337 27 56
Daniel.Kuebler@fhnw.ch

Prof. Dr. Ioannis Papadopoulos
Institut d'études politiques et internationales, Université de Lausanne
+41 21 692 31 43
ioannis.papadopoulos@unil.ch

Dr. Oscar Mazzoleni
Osservatorio della vita politica, Ufficio di statistica, Bellinzona
+41 91 814 64 26
Oscar.Mazzoleni@unil.ch

Dokumente:

  Schlussbericht (auf französisch) (471KB) 11.05.2009    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (147KB) 03.11.2010    öffnen >

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