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Welche Bedeutung hat das Lernen von Sprachen für die Entwicklung der Identität?

Hintergrund Dass die Erstsprache eines Kindes eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung seiner Identität spielt, ist bekannt. Weniger erforscht ist der Zusammenhang des Lernens von Fremdsprachen in der Schule mit Facetten der Identität wie Ethnizität, Familie und Freunde. Gegenwärtig sind Schulreformen im Gang, die den Fremdsprachenunterricht modernisieren wollen. Entscheidend wird weniger die Frage der Reihenfolge der Sprachen als die Qualität der Umsetzung sein. Die Schülerinnen und Schüler sollen mit eigenen Lernleistungen in ihr mehrsprachiges Potenzial investieren können.

Ziel Folgende Fragen soll das Projekt untersuchen: Welchen Beitrag leistet das Lernen von zusätzlichen Sprachen (Fremd-, Zweitsprachen) zur Identitätsbildung von Kindern und Jugendlichen? Welche Art von Mehrsprachigkeit soll durch die Schule gefördert und entwickelt werden? Die Untersuchung soll die gegenwärtig laufende Einführung des Englischen in zwei unterschiedlichen Schulgemeinden (Kantone Appenzell Innerrhoden und Zürich) beobachten und beschreiben. Besonderes Augenmerk wird auf die Gruppe der zweisprachigen Schüler und Schülerinnen mit einem Migrationshintergrund gerichtet.

Bedeutung Die Studie wird untersuchen, wie Bildungspolitik einerseits und lokale, individuelle Faktoren andererseits zur Bildung von Identität führen. Sie wird Einsichten in die Praxis des frühen Sprachunterrichts liefern – indem sie herausfindet, wie Lehrer und Schüler auf Material und Methoden des Unterrichts reagieren und wie Schule und Eltern den Lernprozess positiv beeinflussen können. Zu erwarten ist ein Beitrag zu einem gesellschaftlich fundierten Verständnis des Sprachenlernens in Schule und Gemeinschaft. Auf einer qualitativen Ebene kann die Studie zur Reform des Fremdsprachenunterrichts beitragen.

Resultate Ob die erste Fremdsprache eine nationale sein müsse, wird seit einigen Jahren heftig diskutiert. Was geschieht, wenn Englisch in die Primarschule eingeführt wird? Da in den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Zürich die Einführung von Englisch als erster Fremdsprache bereits weit vorangeschritten ist, lassen sich erste Auswirkungen beschreiben. In 10 Schulklassen zweier Gemeinden in AI und ZH erfasst Daniel Stotz (Pädagogische Hochschule Zürich) sowohl die Sicht der Lehrpersonen als auch der Schülerinnen und Schüler. Ihre Aussagen schwächen einige der bisherigen Vermutungen ab, z.B. dass Englisch sich als Jugend- oder Berufssprache als nützlich erweise. Auch andere Argumente, welche die Wahl des Englischen rechtfertigten, wie z.B. die Verbesserung der Chancengerechtigkeit, erscheinen in der Erfahrung der Betroffenen in einem differenzierten Licht. Nachdem die Reform sich bisher mehr mit strukturellen Veränderungen wie der Sprachenreihenfolge befasste, sollte nun die inhaltliche und methodische Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts im Zentrum stehen.

Prof. Dr. Daniel Stotz
Forschung und Entwicklung Bereich Sprachen
Pädagogische Hochschule Zürich
+41 43 305 64 42
daniel.stotz@phzh.ch

Dokumente:

  Schlussbericht (444KB) 30.09.2008    öffnen >
  Medienmitteilung 08.07.2008 (79KB) 04.11.2008    öffnen >
  Poster (632KB) 03.06.2009    öffnen >
  Wissenschaftliche Publikationen im Rahmen des NFP 56 (162KB) 03.11.2010    öffnen >

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